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Der Heizungs-Check im Praxis-TestEnde 2007 wurde der Heizungs-Check von der Fachhochschule Gießen auf seine Praxistauglichkeit hin überprüft – Interview mit Prof. Boris Kruppa, Fachbereich Maschinenbau Mikrotechnik, Energie- und WärmetechnikHerr Prof. Kruppa, Sie haben mit Ihren Studenten den neuen Heizungs-Check in einem Testverfahren genauer untersucht. Wie ist das gelaufen? Getestet wurde der Heizungs-Check an über 500 Anlagen in Hessen. Ein Projekt, dass vom Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) in Auftrag gegeben und finanziert wurde. Da es sich beim Heizungs-Check um ein neues Verfahren handelt, war es natürlich besonders wichtig, den Heizungs-Check vor einem bundesweiten Einsatz in privaten Haushalten auf dessen Verständlichkeit und Transparenz zu prüfen. So haben SHK-Fachhandwerker vor Ort im Rahmen der gewöhnlichen Wartungsarbeiten den Hausbesitzern angeboten, mit Hilfe des neuen Inspektionsverfahrens die eigene Anlage genauer unter die Lupe nehmen zu lassen. Der Schwerpunkt lag dabei auf Heizungsanlagen in Ein- und Zweifamilienhäusern, die älter als zehn Jahre sind. Sie haben auch eine Befragung der Hausbesitzer durchgeführt. Waren Sie von einzelnen Ergebnissen überrascht? Was mich positiv überrascht hat, war die Reaktion der Hausbesitzer. Mehr als 80 Prozent von ihnen gaben an, dass sie den Heizungs-Check als ein gut nachvollziehbares und transparentes Verfahren einstufen. Begrüßt haben sie außerdem die Objektivität des Checklistenverfahrens. Denn aufgrund der Standardisierung kann sich jeder Hausbesitzer sicher sein, dass die Bewertung nicht willkürlich passiert, sondern auf der Grundlage von genau festgelegten Mess- und Beobachtungswerten basiert. Jeder vierte Kunde gab bei der Befragung sogar an, aufgrund des Heizungs-Checks im Laufe der nächsten sechs Monate Sanierungsmaßnahmen an der eigenen Anlage vornehmen zu lassen. Ebenfalls interessant war das Ergebnis Abgasuntersuchungen. Denn obwohl die Anlagen im Schnitt 17 Jahre alt waren, haben nur 33 von 519 Heizkesseln die vorgeschriebene BimSchV-Messung nicht bestanden. Dies ist ein deutliches Indiz dafür, dass die gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte in Zukunft verschärft werden können. Was hat das Ergebnis des Feldtests Ihrer Meinung nach in punkto Energie sparen in privaten Wohnhäusern gezeigt? Die Auswertung macht deutlich, dass in deutschen Heizungskellern ein großes Energieeinsparpotenzial schlummert. Nur 10 Prozent der untersuchten Anlagen arbeiten in punkto Effizienz einwandfrei. Ein großer Teil der Anlagen, nämlich 50 Prozent, können mit Hilfe gering investiven Maßnahmen verbessert werden. 25 Prozent der Anlagen sollten allerdings komplett saniert werden. Der Heizungs-Check ist für den Hausbesitzer demnach eine zuverlässige Informationsquelle, wenn es um die Sanierung der eigenen Anlage geht. Aber auch für Hausbesitzer ohne Modernisierungsabsichten ist dieses Verfahren wichtig. Sie bekommen aufgezeigt, welches Einsparpotenzial ihre Heizungsanlage hat. Ist ein bestimmter Aspekt des Heizungs-Checks besonders gut beim Hausbesitzer angekommen? Ich denke die Transparenz des Verfahrens hat die meisten Hausbesitzer überzeugt. Dass die Punktzahl am Ende etwas mit der Energieeffizienz der Anlage zu tun hat, ist gut nachzuvollziehen. Die Übertragung in die farbige Bewertungsskala unterstützt das Gesamtergebnis schließlich auch visuell. Fällt die Heizungsanlage in den grünen Bereich, arbeitet sie effizient. Im roten Bereich sollte der Hausbesitzer allerdings unbedingt aktiv werden, damit nicht weiterhin wertvolle Energie verschwendet wird. Außerdem gut angekommen ist die präzise und zügige Durchführung des Heizungs-Checks. Nicht länger als eine Stunde dauert das Verfahren. Der Arbeitsaufwand des Fachhandwerkers ist dadurch nicht so umfangreich und die Kosten für den Hausbesitzer dementsprechend gering. Nicht mehr als 100 € muss für dieses umfangreiche Verfahren aufgewendet werden. Im Feldtest haben Sie den Heizungs-Check kostenlos angeboten. Denken Sie, dass Hausbesitzer für diese Inspektion auch selbst in die Tasche greifen würden? Das ist eigentlich ein weiteres Ergebnis, das mich doch positiv überrascht hat. Knapp die Hälfte der Heizungsbesitzer würde nämlich auch selbst Geld in die Hand nehmen, um eine derartig genaue Einschätzung in punkto Energieeffizienz der Heizungsanlage zu bekommen. Individuelle Modernisierungsmaßnahmen, die dem Besitzer an die Hand gegeben werden, um mehr Energie und damit auch Heizkosten zu sparen, machen den Heizungs-Check als energetische Bestandsaufnahme für jeden Heizungsbesitzer attraktiv. Gibt es auch Aspekte beim Heizungs-Check, die das neue Inspektionsverfahren nicht oder noch nicht leisten? Was der Heizungs-Check nicht leisten kann, ist, das Energieeinsparpotential als absolute Zahl in kWh anhand der Bewertungspunkte genau zu benennen. Wenn ein Hausbesitzer durch Modernisierungsmaßnahmen beispielsweise 20 Punkte in der Bewertung wieder gut macht, kann im Vorfeld nicht eins zu eins umgerechnet werden, wie viel diese Punktzahl an eingesparter Energie entspricht. Der Heizungs-Check ist aber dennoch ein guter Kompromiss zu einer teuren Bestandsaufnahme und Bewertung des Gebäudes. Wenn Hausbesitzer im Anschluss des Heizungs-Checks ihre Anlage modernisieren, auf welche Bereiche trifft das am häufigsten zu? Im Bezug auf die Ergebnisse des Feldtests haben Hausbesitzer neben dem Kesseltausch auch den Hydraulischen Abgleich als Modernisierungsmaßnahme benannt, also die Systemoptimierung von Rohrleitungen und Heizkörpern. Wenn eine Anlage hydraulisch nicht abgeglichen ist, was bei 90 Prozent der Anlagen im Feldtest der Fall war, kann das bedeuten, dass einige Heizkörper in der Wohnung nicht warm werden. Andere, die näher am Wärmeerzeuger im Keller gelegen sind, werden mit heißem Wasser überversorgt. Mit Hilfe von Regulierungsventilen kann dafür gesorgt werden, dass überall verhältnismäßig gleiche Wasserwiderstände vorliegen. Alle Heizkörper werden somit gleichmäßig warm. Dadurch wird für das Heizen mit weiter entfernten Heizkörpern nicht mehr unnötig Energie verschwendet. Was halten Sie persönlich von dem Heizungs-Check? Würden Sie als Hausbesitzer dieses Verfahren bei sich im Heizungskeller durchführen lassen? Ich denke, dass der Heizungs-Check eine gute Startmöglichkeit ist, um einen wichtigen Schritt in Richtung effizientes Heizen zu gehen. Denn dadurch kann wertvolle Energie eingespart und die CO2-Emission reduziert werden. Ich würde daher auf jeden Fall Gebrauch von diesem Verfahren machen. Bei der Entwicklung des Heizungs-Checks haben ausschließlich Fachleute mitgewirkt, was sich natürlich auch in der DIN-Normierung widerspiegelt. Ich kann daher nur empfehlen, vor allem vor dem Hintergrund der steigenden Energiepreise, sich um die private Heizungsanlage zu kümmern und in effektive und energiesparende Technik zu investieren. Die aktuelle Heizungs-Check Broschüre (PDF) zurück |